Drogen,Gefängnis und Gewalt Teil 4

JVA WITTLICH 1989

Nach meiner Verhandlung ging es direkt wieder in U-Haft in die JVA Mainz, die es damals noch gab. Die Tür schloß sich hinter mir und ich war wieder in meiner Zelle- mit 18 Monaten Haftzeit. Puh. Ehrlich? Kein Scheiß, ich hab mich auf`s Bett geschmissen und habe leise ins Kopfkissen geheult. Und ich habe glaube ich über eine Stunde geheult. Plötzlich wurde mir bewußt, das ich diesmal wirklich Scheiße gebaut hatte. Stell dir vor : Du liegst auf deiner Pritsche in einer kleinen Zelle, das Fenster in dieser Zelle ist weiter oben, um rauszusehen musst du auf einen Stuhl. Und dementsprechend kommt da auch kaum Sonne rein. Liegend auf dem Bett kannst du deinen Arm austrecken und du kannst das Waschbecken oder deinen Tisch berühren. Und das sollte nun für die nächsten 18 Monate meine Zukunft sein. da kann es einem schon mal den Magen verdrehen. Alleine von den 18 Monaten bekam ich beklemmung und wollte eigentlich los schreien….- doch dafür hätte ich mich geschämt vor den anderen Gefangenen, wenn wir am nächsten Tag im Hof wären. Dafür ist im Knast kein Platz : Angst, Trauer, Panik. Wut geht immer klar. Wut ist im Knast okay. Ist Männlich. Aber zeige niemals , das du traurig bist oder das Du angst hast….manche können sowas riechen und sie werden es gegen dich verwenden. Aber das soll ja hier kein Ratgeber werden.

Nach der U-Haft wurde ich verlegt in die Strafhaft. JVA WITTLICH. Damals berühmt-berüchtigt unter den Knackis. 1989 gab es in der JVA Wittlich keinen Strom auf Zelle, keinen Fernseher. Wenn wir unser Wasser heiß machen wollten, nahmen wir zwei Drähte , die wir aus dem bett ausgebaut hatten , ein Tuch drum und verbanden dann diese drähte an der Deckenlampe. Ergebnis : das Wasser war in 3 sekunden heiß und schmeckte nach Metal. Und ich denke es war auch nicht soo Gesund. Hauptsache Kaffee war heiß. Oder man wartete bis abends das „Heiße „Wasser vom Hausarbeiter kam. Ich hatte das „Glück“ das ich auf der oberen Etage war und mein heißes Wasser war natürlich nur noch lau-warm. Die armen Hausarbeiter mussten die Scheiß Wasserbehälter noch Stockwerk für Stockwerk hochschleppen. War nicht so schön, glaube ich.

Glücklicherweise ging es mir von Anfang an nicht soo schlecht in Wittlich. Mein Glück war, das viele kumpels aus Mainz auch dort waren. Teilweise mit längeren Haftstrafen. Und als man mich sah, das ich nun auch hier war, bekam ich prompt von meinem Kumpel eine Tüte mit Tabak,Kaffe,Blättchen und Schokolade. Als Erstversorgung. Man hatte ja nichts am Anfang. Dann habe ich direkt am nächsten Tag die Bekanntschaft mit dem berüchtigten Schließer Herr Denzer gemacht. Schließer Denzer war mit einem Wort gesagt „Krank“. Er fand jeden Tag eine Gelegenheit uns zu tyrannisieren und einen von uns in die verfickte „B“ Zelle zu stecken. Das „B“ stand für „Beruhigungszelle“. Schöner Name für eine Zelle mit keinem Bett drin, einem Loch im Boden wo man reinscheißen und pissen konnte und sonst nix! Ach ja : Natürlich nur mit Unterhosen . Sonst nix an. wenn man weiter gemeutert hat, ist man auf dem Boden fixiert worden, als ob man gekreuzigt wurde. Und voher haste auch noch mal schön paar Pfund in die Fresse bekommen. Sollst dich ja wohl fühlen. Herr Denzer hatte mich schon länger auf dem Kieker, weil er wußte das ich angefangen hatte , Knackis zu tätowieren. Also unter uns, das waren keine schönen Tattoos. Hatte ja vorher nicht mal geübt oder sowas. War einem im Knast egal.Hauptsache man ist Tätowiert. Gehörte sich halt so.

Ende Teil 4

Drogen,Gefängnis und Gewalt Teil 1

Mein Leben war nicht immer so ruhig, wie es heute ist. Bis hierhin war es ein langer,schmerzhafter Weg.

Die Tür geht hinter dir zu, mit einem lauten knall und du stehst in einem 8qm Raum, und blickst durch Gitterstäbe nach draussen : Willkommen in der Knastzelle.

Foto . dpa

Wenn man wie ich, einige Jahre im Gefängnis verbracht hat und eine steile Drogenkarriere hatte, dann hat man einiges erlebt und hat das eine oder andere zu erzählen. Und genau das werde ich mit dieser Serie machen. Nicht als Therapie oder Verarbeitung, denn ich habe schon seit vielen Jahren abstand dazu und genug Zeit um mich selbst zu Reflektieren. Und genau deshalb finde ich den Zeitpunkt nun optimal, über das alles zu schreiben. Mein Ziel ist es auch nicht , ein „Lehrer“ für andere zu sein, sondern eher schreibe ich es für mich alleine, in einem Blog für die Öffentlichkeit. Klingt widersprüchlich ? Genau wie mein Leben in dieser „Phase“ . Vorab sei erwähnt, das es hier zu unschönen Situation kommt, in Form von detail getreuer Erzählung meines Drogenkonsums.

 Fotograf: Marco Verch 

Der Anfang meiner Reise

Meine Odyssee begann meiner Meinung nach im Kinderheim. Ja, ich glaube das ist ein guter Anfangspunkt, um mit meiner Serie zu beginnen. Sollen wir die Eltern da mit hereinziehen? Früher hätte ich das mit „ja“ beantwortet, denn beide waren Alkoholiker, gewalttätig und meine Mutter nahm später auch noch Medikamente im Überfluss dazu. Also praktisch wie im Lehrbuch. Aber heute mit Abstand betrachtet, möchte ich nicht mehr darauf herumreiten, dass meine Eltern eigentlich meinen Drogen und Gefängnis Weg „vorprogrammiert“ hatten. Das war für mich früher immer ne gute Ausrede um keine Verantwortung für mein Handeln zu übernehmen. Und ich habe sie oft benutzt! Dazu später mehr. Viel zu oft wird in Strafprozessen bei Jugendlichen, die Vergangenheit als „Mildere Umstände“ angerechnet. Das ist in meinen Augen ein falsches Signal. War es bei mir auch. Ich bin heute fest überzeugt: Hätten die Gerichte nicht allzu oft bei mir „Milde“ walten lassen und ich härtere Strafen als Jugendlicher bekommen, wäre ich nicht so lange auf meinem Kriminellen Weg unterwegs gewesen. Doch hätte, hätte, Fahrradkette!

Ende Teil 1