Teil 2 Buch Projekt SUCHT

Piet machte seine Augen auf und warf einen blick hinunter zu seinem Arm. Eine Spritze hing in seiner Armbeuge. Er schaute sich um und erkannte, das er in einer Tunnelunterführung war. Passanten gingen an ihm vorbei und blickten ihn mit Abscheu an. Aber das war ihm egal. Eigentlich existierten sie nicht für ihn. Sie waren Schatten einer anderen Welt. Er sah wieder hinunter zu seinem Arm mit der Spritze und bemerkte den großen Löffel, indem er sein Heroin aufgekocht hatte. Mit einem unzarten Ruck, zog er die Spritze aus seinem Arm und sah, wie Blut aus der Wunde kam. Teilnahmslos sah er dem Blut nach, das sich seinen Weg runter von seinem Arm suchte und kurz vor seiner Hand zum Stillstand kam. Er wischte sich das Blut mit seinem rechten Jackenärmel ab und versuchte sich zu erinnern, wo er das restliche Heroin hatte. Piet war sich sicher, das er noch Heroin hatte, denn als er seinen letzten Druck kochte, hatte er noch circa ein halbes Gramm. Gehetzt suchte er seine Taschen ab und erst jetzt bemerkte er die andere Person, die neben ihm auf dem Boden zu schlafen schien. Es war eine Frau, soviel konnte er unter ihrer Jacke erkennen, die sie sich um ihren Oberkörper gelegt hat. Piet versuchte sich den vorherigen Abend nochmals in Erinnerung zu rufen, doch alles war wie in einem nassen Nebel getaucht. Und er bemerkte schon den Entzug, der langsam und lauernd in ihm hochschlug.
„Hey! Wach auf!“ sagte Piet zu der Frau . Doch keine Reaktion auf sein Rütteln. Oder war da ein leises „Was?“ Er war sich nicht sicher und nun war mit einem schlag der Entzug in seiner vollen Pracht da. Wieder kam Panik in ihm hoch , begleitet von einem Gefühl das an Sehnsucht erinnert. Piet wusste, das wenn er sich nicht beeilte, sein „Affe“ so richtig anfing weh zu tun. Dann würden wieder diese Krämpfe kommen, dieses Gefühl des Krank sein und dieses unbändige verlangen nach Heroin. Wieder gingen Schatten an ihm vorbei.Manche Schatten riefen irgendwas, aber Piet war voll mit seiner Suche nach dem Heroin beschäftigt. „Es muss doch irgendwo sein, verdammte scheiße“ murmelte er . Plötzlich einer Idee folgend, griff er rüber zu der Frau, die immer noch regungslos da lag und kramte in ihren Taschen. „Verdammte Drecksau“ sagte er und zog aus ihrer Tasche das Heroin. Piet war eigentlich sauer, aber sein Turkey wollte unbedingt gefüttert werden und er machte mit großen Augen das kleine Päckchen auf, das mit Frischhaltefolie umwickelt war. Wieder diese Schatten.Wieder diese Rufe. Er dachte nur „Verdammte Wichser“ und machte sich dran , das Heroin auf den Löffel zu tun. Piet nahm sich mit der Spritze Wasser aus einer kleinen Mineralwasser Flasche raus, die er immer dabei hatte um sauberes Wasser zu haben. Er zog ein kleines Päckchen Ascorbinsäure aus seiner Hose und machte davon etwas auf den Löffel mit dem Heroin drauf. Wenn Piet sein Heroin kochte, kam er sich immer vor wie ein Koch. „Und nun einen kleinen Spritzer Wasser dazu, fertig ist die 5 Minuten Terrine“ stammelte er glücklich vor sich hin. Den Löffel in der einen Hand und mit der anderen Hand befeuerte er den Löffel mit dem Feuerzeug. Es kochte und stank in der tat sehr nach Maggi. Aber Piet liebte diesen Geruch. Fertig gekocht legt er den Löffel auf den Boden und nahm von einer Zigarette den Filter und legte ihn hinein. Er zog mit der Nadel durch den Filter das aufgekochte Heroin ein und sah, wie der goldbraune Saft in die Spritze floss. Doch zu mehr kam er nicht, denn ein Schatten wurde zu einem Mann , der ihn packte und hochzog.

„Was zum Henker machst du noch hier?“
„Warum? Lass mich in Ruhe!“ antwortete Piet und wollte wieder seine Spritze aufheben, die runterfiel als dieser Typ auftauchte.
„Du Idiot, die alte da ist tot!“, sagte der Mann und zeigte auf die Frau .
„Wie tot? Willste mich verarschen?“
Der Mann ließ Piet los und erzählte ihm, das er letzte Nacht mit ihm auch hier in der Unterführung war und sie beide dachten, das die Frau hier auch nur einen schlaf Platz gesucht hatte und nun schlief.
„Als ich bemerkte das sie tot ist, habe ich dir gesagt das wir besser verschwinden. Aber du wolltest dir unbedingt noch einen druck machen und bin dann alleine weg“.
In Piet war auf einmal nur noch weißes Rauschen im Ohr. Sein Affe war in voller Pracht da und alles in ihm schrie nur noch nach einen Schuss.
„Alter, ich muss mich erst gesund machen, dann kann ich hier weg. Ich habe Turkey und schaffe das Laufen sonst nicht.“
„Dann beeil dich und verschwinde von hier!“, sagte der Mann und ging davon.
Piet band sich seinen Arm ab und drückte die Nadel in seinen Arm. Er drückte den Kolben nach unten und das Gold braune Heroin floss in seine Vene. Schlagartig empfand er eine wärme , die ihn von innen heraus umarmte und ihn ein Glücksgefühl gab, das er so sehr liebte. Ihm war egal wer tot ist, wer lebt. Piet war in einer anderen Dimension und war außerstande seine Umwelt wahrzunehmen. Auch nicht, das Polizeifunk durch die Unterführung hallte.

Wird fortgesetzt

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