Der Tod in der Schule

Der Tod ist immer noch ein Tabu Thema, obwohl wir alle irgendwann mal an der Reihe sind. Wir sind uns einig, das der Tod ein schlimmes Ereignis ist. Doch es ist nicht gut, wenn wir den Kopf in den sand stecken und so tun, als beträfe uns der Tod nicht. Meiner Meinung nach, sollte das Thema Tod ein eigenes Schulfach sein. Denn in der Schule sollen wir doch auf das Leben vorbereitet werden. Und da gehört nun mal auch der Tod dazu. Ich habe schon öfter erfahren, das der Tod plötzlich und unerwartet eintrifft. Man denkt an nichts böses und plötzlich bekommt man eine Todes Botschaft. Und dabei spielt es keine Rolle ob Mensch oder Tier. Tod ist immer ein Verlust. Und Trauer hat soviele Gesichter wie es Menschen gibt. Und der Tod eines geliebten Menschen/Tier kann einem die Füße weg treten. Seit ich mit dem Tod mich befasse, ist meine Reaktion auf Todes Botschaften irgendwie anders. Meiner Meinung nach ist man gut Beraten sich ab und zu mit dem Thema Tod auseinander zu setzten. Es ist unsere Natur!

Peter

Tattoo Stories#1

Tattoos und ihre Macht

Tattoos sind bei weiten nicht nur SCHMUCK. Es gab schon etliche Momente in unserem Tattooshop, wo wir den Menschen mit unseren Tattoos geholfen haben- ja sie sogar von einer Last befreit haben. Tätowieren kann auch Heilende Kräfte entfachen. Ohne Scheiß! Und das ist dann das schönste, was einem Tätowierer passieren kann. Beispiele habe ich genug:

Eines Tages hatte ich ein Coverup Projekt an einem jungen Mann zu machen. Wir hatten vorher alles genau Besprochen, uns auf ein Motiv geeinigt und einen Termin gemacht. Es fiel bei diesem Beratungsgespräch kein Wort über seinen Grund des Überstechens noch sonst irgendetwas in dieser Richtung. Er sagte,er wolle es einfach nur weg haben. Meiner Erinnerung nach, war es ein schreckliches , viel zu tief gestochenes Tattoo, das ausgewaschen und blass war. An das Motiv kann ich mich ehrlich gesagt garnicht mehr Erinnern. An seinem Termin erschien er sehr unruhig und innerlich angespannt. Ich versuchte ihn dahingehend zu beruhigen, da ich dachte, er hätte Angst vor den Schmerzen. Doch dem war nicht so. Er hatte keine Angst vorm Stechen, er war aufgeregt, weil eine Leidenszeit nun bald vorüber gehen würde.

„Erzähl mal. Warum bist du so aufgewühlt?“ fragte ich ihn. Er antwortete mir und bei seinen Erzählungen , wurde mir komisch im Magen. Das was er mir sagte, war eine Geschichte, die mich direkt wütend gemacht hat. Denn ich hasse es, wenn schwächere misshandelt oder geschlagen werden. Seine Geschichte , handelte davon, das er eines Tages auf einer Party mit anderen Jugendlichen war und alle natürlich wie wild gesoffen hatten- so auch er. Und einer auf dieser Party hatte wohl eine Tätowiermaschiene am Start und wollte jemanden tätowieren. Was mein Kunde nicht wußte : dieser Typ mit seiner Maschiene hatte zuvor noch nie Tätowiert. Besoffen wie er war , hatte er sich gemeldet für ein kleines Tattoo. Zum Spaß. Im Prinzip nichts dabei. Hatten wir früher auch gemacht. Wie das halt so ist in der Jugend. Doch als dieser Typ angefangen hatte und mein Kunde gemerkt hat, das der Typ da rein garnicht tätowieren konnte, wollte mein Kunde das beenden. Nun war es aber so, das einige kumpels von diesem Typ dabei waren. Um die Story abzukürzen : Man hatte ihn festgehalten und dieser Typ hat ihn weiter Tätowiert- obwohl mein Kunde geschrien hat, er solle damit aufhören. Doch anscheinend fanden diese Burschen das ganze lustig und machten weiter.

Und so war mein Kunde für`s Leben gezeichnet und jedesmal wenn er auf dieses schreckliche Tattoo schaute, erinnerte das ihn wieder an diese schlimme Party und ihre folgen. Mein Kunde erzählte mir, das er das ganze Jahr über einen Pullover, bzw. Longsleeve angezogen hat, damit keiner dieses Tattoo sieht. Ich kann mir nur im Ansatz vorstellen, wie belastend sowas ist für einen. Auf meine Frage, warum er jetzt erst zu einen Tätowierer geht um sich dieses tattoo überstechen zu lassen, sagte er : „Ich hatte kein Geld. Ganz einfach. Nun habe ich mir das Geld gespart, um mir das zu ermöglichen“

Zum Schluß musste ich innerlich schlucken. Nachdem wir fertig waren und er es sich angeschaut hat, kamen ihm die tränen und sagte „Vielen Dank,Peter. Jetzt kann ich wieder in einem T-shirt im Sommer rum laufen“ Das war einer meiner schönsten Momente im Tattooshop. Deshalb liebe ich das Tätowieren so. Weil Tätowierungen auch seelische Wunden zum heilen bringen können.

Peter

Gehirnfrass durch Drogenkonsum

Beim schreiben dieses Blogs, ist mir aufgefallen, das ich etliche Gedächnislücken habe. Es fällt mir oft schwer zeitliche Abläufe zu rekonstruieren. Okay, ansich dürfte es mich nicht wundern, da ich nicht gerade mit Drogenkonsum gespart habe in meinem Leben. Doch da ich mir vor diesem Blog keine Gedanken dazu gemacht habe, ist es mir jetzt erst aufgefallen. Das man mal vergisst, was man vorgestern gegessen hat, naja, das scheint mir normal zu sein. Doch durch meine langjährigen Knastaufenthalte und Drogenkonsums, ist es wohl krasser als wie ich dachte. Nun denn, ich werde mir große Mühe geben, die Jahreszahlen nicht durcheinander zu bringen. Eventuell hilft ja das schreiben, mich an einiges wieder mehr zu Erinnern.Und noch was : Da ich nun kein Autor bin oder schriftsteller, mache ich natürlich auch hier und da schreibfehler, doch ich habe keine lust, ständig meinen text korrigieren zu lassen. Ist mir zu aufwändig. Soll ja auch spass machen,oder?! Also seid mir da nicht böse. So, nun muss ich gleich jemanden Tätowieren und darauf freue ich mich. Wer weiß wie lange wir noch aufhaben dürfen?! Ich wünsche euch einen schönen Tag !

Peter

Drogen,Gefängnis und Gewalt Teil 5

Der erste Kontakt mit Speed

In Wittlich hatte ich oft Einschluß. Einschluß bedeutet, du kannst nicht am Umschluß teilnehmen, 23 Stunden Vollzug angesagt. Meistens wegen Tätowieren- und wegen positiver UK (Urin Kontrolle). Zuerst kiffte ich nur in Haft. Doch eines Tages tätowierte ich einen alteingesessenen Knacki, der von oben bis unten Tätowiert schon war. Gesichtstattoos hatten damals einige, meistens die sogenannten „Katzenaugen“ ähnlich der Ägypter- ein Strich neben dem Auge. Da war ich schon im Haus 2, Erwachsen Haus. Ich hatte damals einen Antrag gestellt, da dort einige von meinen Kumpels waren. Der Knacki, den ich tätowieren sollte, war einer von 4 Brüdern. Alle zusammen waren sie gleichzeitig in Wittlich. Man nannte sie die Daltons- von Lucky Luke. Sie waren alle durch die Bank total zu tätowiert und schon „Haftgewohnt.“ Alle hatten sie Respekt vor ihnen, denn sie hatten praktisch jeden Tag eine Schlägerei im Hof. Und sie waren durchtrainiert. Und da sitze ich also mit diesem Volltätowierten Typ, bin am Tätowieren und da sagte er „Mach mal Pause. “ Ich legte die selbstgebaute Maschiene hin. „Hol mal den Spiegel.“ Ich ging zum waschbecken und zog an der Seite den Spiegel raus. Er legte Speed auf den Spiegel und machte ein paar Lines auf dem Spiegel. „Machen wir erstmal jeder 2 “ Sagte er und meinte zwei Lines für jeden. Da ich mich nicht blamieren wollte machte ich, als ob es für mich ganz normal wäre, das Zeug zu ziehen. Also zog ich die zwei Lines weg und das war wohl meine Eintrittskarte für meine Speed und Extasy Zeitphase, die ich später richtig auslebte.

Putzkönig

Wieder alleine auf Zelle war ich natürlich noch voll unterwegs! Der Typ hatte noch zwei Lines gelegt. Fuck, diese Nacht auf Zelle werde ich nie vergessen! Voll aufgedreht fing ich an, meine Zelle von Kopf bis Fuß zu putzen! Ich nahm ne bürste und schrubbte sogar die Ränder vom Boden. Die Tür. Einfach alles was eine Fläche hatte, hab ich geputzt! Und als ich fertig war, sind gerade mal drei Stunden rum! Es war die Hölle! Mein Herz pochte dermaßen, das ich auf einmal Panik bekam, das ich einen Herzinfarkt bekomme. Stell dir vor, Du stehst voll unter Spannung und DU KANNST NICHT RAUS AUS DEN 7 qm ! Ich schrieb Briefe , nur um irgendetwas zu machen. Kaum hatte ich einen fertig, zerriss ich den Brief und fing von vorne an. Währenddessen redete ich mit mir selber, nur um mich selbst zu beruhigen. Als morgens um 6 Uhr die Tür auf ging, war ich Müde, aber immer noch irgendwie drauf. Ich bekam vom Beamten ein „Moin,Jochim. Du siehst aber scheiße heute aus.“ “ Ja, ich glaube ich werde Krank“ Doch das glaubte der Beamte mir wohl nicht so ganz. Denn gegen Mittags ging die Haftzelle auf und reinkamen die Typen von der S und O. Sicherheit und Ordnung hießen die Beamte, die dafür zuständig waren, das im Knast alles einigermaßen sauber lief. „Herr Jochim, einmal an die Wand.“ Ich wurde abgetastet und musste mit zwei Beamten in den TV Raum. Dort musste ich warten, bis die Sund O meine Zelle auf links gedreht hatten. Und wenn die Herren in deiner Zelle „Arbeiten“ , dann hast du wirklich ALLES auf Links! Auch deinen Matratzen Überzug, den man nur schwer wieder drauf bekam.

Ende Teil 5

Drogen,Gefängnis und Gewalt Teil 4

JVA WITTLICH 1989

Nach meiner Verhandlung ging es direkt wieder in U-Haft in die JVA Mainz, die es damals noch gab. Die Tür schloß sich hinter mir und ich war wieder in meiner Zelle- mit 18 Monaten Haftzeit. Puh. Ehrlich? Kein Scheiß, ich hab mich auf`s Bett geschmissen und habe leise ins Kopfkissen geheult. Und ich habe glaube ich über eine Stunde geheult. Plötzlich wurde mir bewußt, das ich diesmal wirklich Scheiße gebaut hatte. Stell dir vor : Du liegst auf deiner Pritsche in einer kleinen Zelle, das Fenster in dieser Zelle ist weiter oben, um rauszusehen musst du auf einen Stuhl. Und dementsprechend kommt da auch kaum Sonne rein. Liegend auf dem Bett kannst du deinen Arm austrecken und du kannst das Waschbecken oder deinen Tisch berühren. Und das sollte nun für die nächsten 18 Monate meine Zukunft sein. da kann es einem schon mal den Magen verdrehen. Alleine von den 18 Monaten bekam ich beklemmung und wollte eigentlich los schreien….- doch dafür hätte ich mich geschämt vor den anderen Gefangenen, wenn wir am nächsten Tag im Hof wären. Dafür ist im Knast kein Platz : Angst, Trauer, Panik. Wut geht immer klar. Wut ist im Knast okay. Ist Männlich. Aber zeige niemals , das du traurig bist oder das Du angst hast….manche können sowas riechen und sie werden es gegen dich verwenden. Aber das soll ja hier kein Ratgeber werden.

Nach der U-Haft wurde ich verlegt in die Strafhaft. JVA WITTLICH. Damals berühmt-berüchtigt unter den Knackis. 1989 gab es in der JVA Wittlich keinen Strom auf Zelle, keinen Fernseher. Wenn wir unser Wasser heiß machen wollten, nahmen wir zwei Drähte , die wir aus dem bett ausgebaut hatten , ein Tuch drum und verbanden dann diese drähte an der Deckenlampe. Ergebnis : das Wasser war in 3 sekunden heiß und schmeckte nach Metal. Und ich denke es war auch nicht soo Gesund. Hauptsache Kaffee war heiß. Oder man wartete bis abends das „Heiße „Wasser vom Hausarbeiter kam. Ich hatte das „Glück“ das ich auf der oberen Etage war und mein heißes Wasser war natürlich nur noch lau-warm. Die armen Hausarbeiter mussten die Scheiß Wasserbehälter noch Stockwerk für Stockwerk hochschleppen. War nicht so schön, glaube ich.

Glücklicherweise ging es mir von Anfang an nicht soo schlecht in Wittlich. Mein Glück war, das viele kumpels aus Mainz auch dort waren. Teilweise mit längeren Haftstrafen. Und als man mich sah, das ich nun auch hier war, bekam ich prompt von meinem Kumpel eine Tüte mit Tabak,Kaffe,Blättchen und Schokolade. Als Erstversorgung. Man hatte ja nichts am Anfang. Dann habe ich direkt am nächsten Tag die Bekanntschaft mit dem berüchtigten Schließer Herr Denzer gemacht. Schließer Denzer war mit einem Wort gesagt „Krank“. Er fand jeden Tag eine Gelegenheit uns zu tyrannisieren und einen von uns in die verfickte „B“ Zelle zu stecken. Das „B“ stand für „Beruhigungszelle“. Schöner Name für eine Zelle mit keinem Bett drin, einem Loch im Boden wo man reinscheißen und pissen konnte und sonst nix! Ach ja : Natürlich nur mit Unterhosen . Sonst nix an. wenn man weiter gemeutert hat, ist man auf dem Boden fixiert worden, als ob man gekreuzigt wurde. Und voher haste auch noch mal schön paar Pfund in die Fresse bekommen. Sollst dich ja wohl fühlen. Herr Denzer hatte mich schon länger auf dem Kieker, weil er wußte das ich angefangen hatte , Knackis zu tätowieren. Also unter uns, das waren keine schönen Tattoos. Hatte ja vorher nicht mal geübt oder sowas. War einem im Knast egal.Hauptsache man ist Tätowiert. Gehörte sich halt so.

Ende Teil 4

Alt werden ist Scheiße!

Alt werden mit Würde und Anstand. Welcher Penner hat das gesagt? Vorgestern war ich noch 20 Jahre jung. Heute morgen steh ich auf und bin 49 Jahre im Dezember. Dabei fühle ich mich irgendwie vom Kopf her nicht wie 49. Eher wie 20, 30. Nach aussen hin zeige ich niemanden, das ich vorm altern „angst“ habe, aber vor mir selber kann ich es nicht verbergen. Klar, einige würden jetzt sagen : „49 ist doch kein alter!“ Ja, im prinzip ja noch nicht, aber in Erwartung von einer Lebensdauer von höchstens 60,65 Jahren- in meinem fall. Und das wäre noch mit gutem willen berechnet. Natürlich haben meine Drogen und der Knast seine spuren hinterlassen….- auch und vor allem innerlich. Nicht Psychisch, sondern wirklich innerlich im Körper. Dazu kommt noch das gute COPD III und andere gebrechen hinzu. Morgens beim pissen muss ich mich schon hinsetzen, weil ich ansonsten unsere Toilette einsprühe. Da wird wohl bald ein Termin beim Urologen fällig. Habe ich eh viel zu lange aufgeschoben. Meine Angst ist immer, der Doc findet eine Prostata so groß wie eine Melone vor. Aber warten ist natürlich auch nicht schlau. Zähne sind auch schon fast alle raus. was mir geblieben ist, ist der Blinddarm. Jedenfalls noch. Und dann steht man morgens auf und hat das gefühl ein E-Zug ist über einem gerast- und ein Lkw gleich noch hinterher. Aber dagegen unternehme ich gerade etwas…laufen, viel laufen mit dem Hund. Und laufen zur Arbeit. Denn ich hab irgendwie kein Bock auf einem Herzinfarkt. Ist ja in meinem alter irgendwie modern , einen Herzinfarkt zu bekommen. Dazu kommt noch mein mühsam aufgebautes Bauchfett. Ach ja : habe ich schon meine „Haare“ erwähnt? Die wachsen ja auch nicht mehr.Seit ich 28 bin. Also : ja, ich fühle mich alt. Doch ich denke , das man sich auch dafür entscheidet irgendwie. Denn ich sehe manchmal Männer die sind weit über 60 und noch fit. Also. Müsste da ich ja nun was machen….

Wie sehrt ihr das mit dem alt werden? was macht ihr dagegen? Oder lasst ihr es einfach passieren und denkt. „Leckt mich“ ?

Peter

Von Vertrauen und Liebe

Von Vertrauen und Liebe

Vor fast neun Jahren lernte ich meine Frau kennen. In einer Zeit, als ich noch in der Wohngruppe für Haftentlassene gewohnt habe. Damals hatte ich die Auflage dort zu wohnen und musste mich jeden Freitag auf der Polizei melden, da ich Bewährung hatte und Führungsaufsicht mit verschiedenen Auflagen. Und ich war im Subutex Programm für Abhängige. Davor bekam ich in Haft noch Methadon als Heroin ersatz. Durch meine konsequente Linie nichts mehr mit Heroin zu machen, kam ich in das „höhere Programm“ Subutex. Das bekam man nur, wenn man keinen Beikonsum hatte, was bei mir der Fall war. Und in dieser Zeit also, lernte ich meine Frau kennen. Von Anfang an gab sie mir eine Chance und wir vertrauten uns sehr schnell, was für mich ein neues Gefühl war. Sie hatte nichts dagegen sich mit mir in dieser WG zu treffen, wo all die anderen Ex Knackis waren und ehemalige Drogenabhängige. Irgendwas hat sie direkt in mir gesehen, das ich selber noch nicht gesehen hatte. Heute weiß ich, das sie gesehen hat, das ich im inneren ein guter Mensch bin, was ich erst später an mir selber gesehen habe. Und diese Sicht der Dinge, dieses Vertrauen in mir, gab mir Mut weiter mit meinem „normalen“ Leben zu machen. Ich hatte nach unserem zusammen ziehen noch etwas schwierigkeiten von dem Subutex clean zu werden, da es ja ein Ersatzstoff ist, der auch abhängig macht. Und so habe ich mich selber runter dosiert und leise einen Entzug im Bett gemacht, der zwar leise war( wegen den Kindern) aber mich dennoch an meine Grenzen gebracht hatte. Und meine Frau hatte immer 100% zu mir gestanden und mich unterstützt. Heute, nach neun Jahren ist mir mehr denn je bewußt, welches Glück ich mit ihr habe und das es nicht selbstverständlich ist. So richtig Bewusst , wird mir das , seit ich diesen blog schreibe….was mich bestärkt hier weiter zu schreiben.

In diesem Sinne,

Peter

Drogen,Gefängnis und Gewalt Teil 3

Und so verging die Zeit wie im Flug, weil ich keinen Tag mehr ohne Hasch war. Ich kiffte und soff was das zeug hielt. Und ich ritt meinem ersten Knast entgegen. Da war ich 15 Jahre. Naja , KNAST war das falsche Wort. Es ging nach Worms in das Jugendgefängnis für 14 Tage.

© JAA Worms

Frag mich nicht, weshalb ich damals da war. Wahrscheinlich irgendein sinnloser scheiß, den ich wieder mal gemacht habe. War damals in meinem Umfeld eigentlich was normales : Scheiße bauen war up to date! Und da ich ein trendsetter war, bin ich auch immer schreiend nach vorne gelaufen, wenn jemand fragte „Hey! WER WILL SCHEIßE BAUEN?“

Erster richtiger Knast und harte Drogen

Meine erste richtige Erfahrung mit dem Knast war 1989 in der JVA Wittlich. Mit knappen 17 Jahren bekam ich „nette“ 18 Monate für mehrfachen Autodiebstahl. Die Richter wollten damals ein exempel an mir vollziehen, so ihre Aussage. Tatsächlich bekam ich diese 18 Monate, weil ein Auto unter den Diebstählen , einer Staatsanwältin war. Ja, richtig gelesen. Einer STAATSANWÄLTIN! Sagte ich nicht, das ich nach vorne lief, wenn es um Scheiße bauen geht?! Ein Kumpel und ich , brachen in einer Tiefgarage ein, fanden dort einen Triumph Spitfire. mit Lederverdeck, Holzamatur und allem schnicki-schnacki! Verdammt, wir waren besoffen, weil wir voher noch in einen Keller eingebrochen sind und dort etliche Weinflaschen waren. Betonung liegt hier auf waren. Kumpel und ich also besoffen hinten das Lederverdeck aufgeschnitten, nach vorne gegrappelt und das Lenkrad (mit funierholz glaub ich) schön fast aus der lenkstange gebrochen. Kabel raus – kurz geschlossen und ab ging die fahrt mit den zwei gestörten Suppenkasper`n. Besoffen wie wir waren, fuhren wir auf die Autobahn….-keine gute Idee gewesen! Ich weiß nur noch, das wir rechts und links gegen die Leitplanke flogen, Lenkrad in der Hand, Auto totalschaden. Wir hatten echt verdammtes glück! Naja, wir, bzw. ich wollte noch weglaufen, aber mein kumpel fing an zu weinen und zu schreien : „Was ist denn passiert?! Ich versteh das nicht- WAS IST DENN PASSIERT??? “ Die Antwort kam einige Minuten später von der Polizei. Und so nahm meine „Jail-Tour“ an fahrt auf!

Ende Teil 3

Peter

Drogen, Gefängnis und Gewalt Teil 2

Der erste Kontakt

Wo waren wir? Ach ja, „hätte, hätte, Fahrradkette“. Wie schon erwähnt : Die Deutsche Rechtsprechung bei Jugendlichen Straftätern ist bescheiden! Und das sage ich als ehemaliger Straftäter! Es wird viel zu oft auf den TÄTER eingegangen, als auf das OPFER! Und mir kommt es so vor, als ob es in punkto “ Täter verschonen“ immer schlimmer wird. Aber das ist meine eigene subjektive Meinung. Hätte mich halt nur gefreut, wenn da mal was passiert wäre. Aber naja…mich fragt ja eh keiner.

Peter mit ca. 13 Jahren

Okay, dann mal weiter im Text : Meine erste Drogenerfahrung war mit dem guten , alten haschisch. Eine Droge die zur „Einstiegsdroge Nr.1“ verkümmert ist und sich dennoch zum Gesellschaftsliebling Nr.1 gemausert hat. Also so kommt es mir zumindest vor. Kann mich da auch täuschen. Aber an Tankstellen wird sehr oft longpapers gekauft. Auch vom Banker. Oder dem Handwerker.Oder vom Typen vom Ordnungsamt. Es darf halt keiner wissen. Alkohol ist kein problem. Das darf jeder wissen. Aber ich schweife ab. Entschuldige. Das erste mal gekifft habe ich im wald mit kumpels. Und es war eine Erdbong. Krasser scheiss. Du schmeisst dich also auf den dreckigen Waldboden und saugst an einem Erdloch. Hat was Mystisches. Was Exentielles. Aber es verfehlt natürlich nicht seine wirkung. Das Stoned gefühl schlich sich bei mir mit dem ersten mal ein. Kein Plan, warum es bei den meisten , beim ersten mal nicht „knallt“ . Ist mir ein Rätsel. Bei mir hat sich direkt ein kleines Männchen in mein Ohr gesetzt und es hat mir ins Ohr geflüstert : “ Ooh jaaa…DAS gefällt dir, peter! Das ist doch mal ein schönes Gefühl.Oder etwa nicht?!“ Und was soll ich sagen? Dieser kleine Bastard hatte recht. Mir gefiehl das stoned sein. Alles war locker,flockig. Keine dunklen Gedanken mehr in meinem Kopf. Keine Selbstzweifel. Keine Unsicherheit. Nur Du und Mr.Stoney . Und so war Mr. Stoney und ich ein unzertrennliches Team. Man sah uns beide nie mehr alleine. Wo ich war, war auch Mr.Stoney nicht weit . Vom Erdbong -nuckler zur Flaschenbong in der Badewanne, war es einen tagesritt weit entfernt. Und so war es auch nicht verwundelicht, das wir Alkohol zum essen mit Mr.Stoney mitbrachten. Glaubt mir : In einer halb gefüllten Badewanne,voll gekotzt, die Hose voll Kiffwasser, ist keine schöne Erfahrung! Solche Abstürze hatte ich als Jugendlicher oft, wenn ich zum Kiffen auch noch gesoffen hatte. War irgenwie nicht mein Ding- aber es kam oft vor. Klingt wieder widersprüchlich,oder?! Wie so alles in meinem Leben.

ENDE TEIL 2

Drogen,Gefängnis und Gewalt Teil 1

Mein Leben war nicht immer so ruhig, wie es heute ist. Bis hierhin war es ein langer,schmerzhafter Weg.

Die Tür geht hinter dir zu, mit einem lauten knall und du stehst in einem 8qm Raum, und blickst durch Gitterstäbe nach draussen : Willkommen in der Knastzelle.

Foto . dpa

Wenn man wie ich, einige Jahre im Gefängnis verbracht hat und eine steile Drogenkarriere hatte, dann hat man einiges erlebt und hat das eine oder andere zu erzählen. Und genau das werde ich mit dieser Serie machen. Nicht als Therapie oder Verarbeitung, denn ich habe schon seit vielen Jahren abstand dazu und genug Zeit um mich selbst zu Reflektieren. Und genau deshalb finde ich den Zeitpunkt nun optimal, über das alles zu schreiben. Mein Ziel ist es auch nicht , ein „Lehrer“ für andere zu sein, sondern eher schreibe ich es für mich alleine, in einem Blog für die Öffentlichkeit. Klingt widersprüchlich ? Genau wie mein Leben in dieser „Phase“ . Vorab sei erwähnt, das es hier zu unschönen Situation kommt, in Form von detail getreuer Erzählung meines Drogenkonsums.

 Fotograf: Marco Verch 

Der Anfang meiner Reise

Meine Odyssee begann meiner Meinung nach im Kinderheim. Ja, ich glaube das ist ein guter Anfangspunkt, um mit meiner Serie zu beginnen. Sollen wir die Eltern da mit hereinziehen? Früher hätte ich das mit „ja“ beantwortet, denn beide waren Alkoholiker, gewalttätig und meine Mutter nahm später auch noch Medikamente im Überfluss dazu. Also praktisch wie im Lehrbuch. Aber heute mit Abstand betrachtet, möchte ich nicht mehr darauf herumreiten, dass meine Eltern eigentlich meinen Drogen und Gefängnis Weg „vorprogrammiert“ hatten. Das war für mich früher immer ne gute Ausrede um keine Verantwortung für mein Handeln zu übernehmen. Und ich habe sie oft benutzt! Dazu später mehr. Viel zu oft wird in Strafprozessen bei Jugendlichen, die Vergangenheit als „Mildere Umstände“ angerechnet. Das ist in meinen Augen ein falsches Signal. War es bei mir auch. Ich bin heute fest überzeugt: Hätten die Gerichte nicht allzu oft bei mir „Milde“ walten lassen und ich härtere Strafen als Jugendlicher bekommen, wäre ich nicht so lange auf meinem Kriminellen Weg unterwegs gewesen. Doch hätte, hätte, Fahrradkette!

Ende Teil 1